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mehrgestalt [2016/09/13 15:18]
Iris Bleiker angelegt
mehrgestalt [2018/08/06 09:41]
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-**Gestalt-Therapie / Integrative Therapie ** * 
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-__Zum Begriff „Gestalt“__ 
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-Die Gestalt-Bildung erfolgt immer vor einem Hintergrund. Sie ist in körperlichen Vorgängen am leichtesten erfahrbar. Beispiele: Du arbeitest an einer bestimmten Sache, die schnell fertig werden soll, verspürst aber großen Hunger. Oder: du fährst mit dem Auto, musst aber dringend auf die Toilette. Wenn du diese körperlichen Bedürfnisse nicht befriedigen kannst, wird bald der Druck in deinem Magen oder in deiner Blase so überwältigend werden, dass du dich auf deine Arbeit nicht mehr konzentrieren kannst. Das kann soweit gehen, dass sie dein Denken und Handeln bestimmen. Du träumst beispielsweise vom Essen oder hältst Ausschau nach der nächsten Toilette und achtest nicht mehr auf den Verkehr. 
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-Erst wenn du die körperlichen Bedürfnisse befriedigt hast, treten sie in den Hintergrund. Du kannst sie „vergessen“ und dich wieder dem Hier und Jetzt widmen. Wir sagen dann: „Die Gestalt ist geschlossen.“ 
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-Im psychischen Bereich haben wir meistens viele „unabgeschlossene Gestalten“,​ die irgendwann in unserer Lebensgeschichte gebildet wurden und die uns belasten. Beispiel: Deine Lehrerin hat dich in der Grundschule mal vor allen Kindern lächerlich gemacht, als du ein Gedicht aufsagen solltest. Obwohl du heute die Situation fast vergessen hast bzw. ihr keine Bedeutung zumisst, hast du heute noch eine Riesenangst vor Prüfungssituationen. Du kannst sogar das alte Erlebnis so weit verdrängt haben, dass dir heute überhaupt keine Erklärung mehr einfällt für deine Prüfungsangst. Oder: deine Eltern haben früher dein Essverhalten streng reglementiert. Du entwickelst noch heute Essstörungen in Stress- und Belastungssituationen. ​ 
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-In der Gestalt-Therapie können wir alte Geschichten bearbeiten und damit alte Gestalten schließen, so dass wir heute frei und offen sein können für das Aktuelle, das Hier und Jetzt. Damit erhalten wir die Chance, uns unbelastet den Herausforderungen und Risiken des Lebens zu stellen. 
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-__Zum Prozesscharakter der Gestalt-Therapie und zu den Kontaktfunktionen__ 
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-In der Gestalt-Therapie geschieht aber noch viel mehr. Die Gestalt-Therapie ist prozessorientiert und (im Gegensatz zur klassischen Psychoanalyse) kontaktorientiert. Das heißt zunächst einmal, die Klientin bestimmt, wo es langgeht. Der Therapeut folgt ihr, nicht umgekehrt! Die Klientin bestimmt mit ihren jeweiligen Gefühlen und Bedürfnissen die Richtung, das Tempo, die Thematik, die Tiefe und die Intensität der Therapie. Der Therapeut hilft ihr lediglich, Klarheit zu schaffen und Licht in den häufig dunklen Dschungel der Gefühlswelt zu bringen. Der Therapeut macht Vorschläge,​ in welcher Form die Klientin ihre Problematik bearbeiten kann. Die Klientin kann im geschützten Raum etwas ausprobieren,​ sie erfährt Zuwendung und Solidarität und lernt, die wichtigen Zusammenhänge in ihrem Leben zu verstehen. Dies hilft ihr, aus alten Mustern auszusteigen,​ sich wertzuschätzen,​ sich nicht mehr isoliert zu fühlen, ihre Erfahrungen im gesellschaftlichen Zusammenhang zu sehen und schließlich ohne Zwang neue Handlungswege zu gehen. 
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-Die Therapeutin als Kontaktperson ist selbstverständlich auch ein „Mensch“ (zwar Expertin, aber keine „Göttin“,​ nicht einmal eine „Heilerin“). Dies betone ich aus folgendem Grund: Vieles in unserem Leben, was uns stört und belastet und an unserem Wachstum hindert, erfahren wir erst im Kontakt mit anderen. Solange wir uns nicht gut kennen, bringen wir fast automatisch alte, unabgeschlossene Gestalten in unsere Beziehungen hinein. Sie gehören einfach zu unseren Lebensmustern,​ wir sprechen von „Kontaktfunktionen“. Es kommt zu Verwicklungen,​ Konflikten und Abhängigkeiten. Da der Klient und die Therapeutin eine Beziehung eingehen, geschieht dort haargenau dasselbe. Da die Therapeutin geschult ist, Kontaktfunktionen zu erkennen, kann sie diese gemeinsam mit dem Klienten aufspüren. Der Klient kann sich entscheiden,​ welche er beibehalten will und welche er verändern will. 
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-* //In diesem Aufsatz benutze ich die Anrede „Du“. Damit ist nicht das persönliche „Du“ gemeint, sondern eine Form, die die Lesenden auf der emotionalen Ebene erreichen soll. Ferner benutze ich weibliche und männliche Formen abwechselnd,​ zugunsten flüssiger Lesbarkeit.//​ 
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